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„Die Stimmung ist immer noch sehr optimistisch“
Katarina Marinčič zählt zur jungen, um 1970 geborenen Generation slowenischer Erzähler. Die Literaturkritik hat sie für ihre „proustsche Empfindsamkeit“ gelobt. Die studierte Romanistin und Anglistin aus Ljubljana arbeitet auch als Dozentin für französische Literatur. Gerade ist ihr Roman „Die verborgene Harmonie“ in deutscher Übersetzung im Kitab Verlag erschienen.
„Unser slowenisches Lebensgefühl ist extrem unexotisch. Wir lieben genau das, was in Österreich Gemütlichkeit genannt wird. Was ich persönlich an meinem Volk schätze, ist eine Art Egalitarismus, der auch für Individualismus genügend Platz übrig lässt. Zurzeit haben wir zwar einige Probleme, unter anderem eine ziemlich hohe Inflation, generell gesehen ist die Stimmung aber noch immer sehr optimistisch.
Die politische Situation hat sich erstaunlich schnell normalisiert. Wir bevorzugen gemäßigte Politiker. Wir haben uns jedoch noch nicht daran gewöhnt, die Steuern zu berechnen, mit denen uns die jeweilige Regierung belastet. In dieser Hinsicht sind unsere politischen Entscheidungen noch immer sehr von der Macht der Rede beeinflusst.
Die EU ist für die meisten Slowenen, um es mit Voltaire zu sagen, ,le meilleur des mondes possibles‘, die beste der möglichen Welten. Auch Voltaire hat es ernst gemeint, vielleicht nicht ganz ernst. Wenn es irgendwo in Mitteleuropa eine Nation von knapp zwei Millionen gibt, die jahrhundertelang ihre eigene Sprache und Kultur bewahrt hat, dann muss diese Nation schon von einem gewissen Nationalbewusstsein geprägt sein. Die jungen Slowenen, meine Studenten zum Beispiel, nehmen die Unabhängigkeit Sloweniens als etwas Selbstverständliches. Diese scheinbare Gleichgültigkeit kann schließlich auch als ein Zeichen ihres Selbstbewusstseins betrachtet werden.
Für Künstler hat sich die Situation in den letzten Jahren nicht gerade verbessert. Man könnte sagen, dass die neu erworbene Freiheit – die natürlich unbezahlbar ist! – die Künstler, und besonders die Schriftsteller, ziemlich teuer zu stehen gekommen ist. Der Staat, der früher alles unter Kontrolle haben wollte, bezahlte ebenso fast alles. Ich bin aber trotzdem auch in dieser Hinsicht ein vorsichtiger Optimist. Erstens, weil sich die Kunst immer durchsetzt. Zweitens, weil Bücher in slowenischer Sprache noch immer subventioniert werden. Und das wird so bleiben, solange es überhaupt Bücher in slowenischer Sprache gibt. Allerdings: Auch wenn jeder dritte Slowene ein Exemplar meines Buchs kauft, ist es noch immer kein Bestseller. Unter diesen Umständen ist die Kommerzialisierung der Kunst fast unmöglich.“
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