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„Ein gewöhnliches Land mit gewöhnlichen Problemen“
Igor Stromajer ist Multimedia-Künstler und bezeichnet sich selbst als „intimen mobilen Kommunikator“. 1967 in Maribor geboren, wurden seine ebenso emotional wie politisch aufgeladenen Arbeiten in den letzten Jahren in 50 Ländern auf allen Kontinenten gezeigt. Auch im Internet ist Stromajer aktiv, er betreibt die Kunst-Plattform www.intima.org.
„Was bedeutet es für mein Land, dass wir den Ratsvorsitz der Europäischen Union innehaben? Nichts, nehme ich an. Die Bürger leben und genießen ihr Leben wie sonst auch. Nicht mein Land führt die EU an, sondern seine Politiker und professionelle Bürokraten. Es ist in den nächsten sechs Monaten schlicht und ergreifend ihr Job und kein Privileg.
Wo wir uns in Europa sehen, ist schwer zu sagen, denn wir sind Europa. Slowenien ist ein zentraleuropäisches Land. Wir sind ein gewöhnliches Land mit gewöhnlichen Problemen und Erfolgen wie jedes andere gewöhnliche Land auch. Unsere Hauptstadt Ljubljana liegt westlicher als Wien und nördlicher als Rom. Über Europa denken wir also nicht anders als andere europäische Staaten. Europa ist ein Faktum, keine Entscheidung, die man treffen würde.
Die Stimmung unter den Slowenen würde ich im Allgemeinen als recht gut bezeichnen. Ein typisch ,slowenisches Lebensgefühl‘ sehe ich aber nicht. Dafür sind wir ein zu kleines Land, das vielen Einflüssen ausgesetzt war und ist: dem italienisch-mediterranen, dem balkanesken, dem deutschen. Wenn man wissen möchte, was die Menschen hier charakterisiert, würde ich sagen: eine wundervolle Verschmelzung dieser Einflüsse.
Offiziell – als unabhängige und international anerkannte Nation – sind wir erst 18 Jahre alt. Wir sind dennoch kein junges Land. Sprache und Kultur haben sich seit dem siebenten Jahrhundert herausgebildet. Das ist auch der Grund, warum das Nationalbewusstsein der Slowenen stark ist. Nur weil sie sich ihrer Kultur so bewusst sind, konnten sie jahrhundertelang ihre Identität bewahren.
Nach dem Zerfall von Jugoslawien hat sich Slowenien rasant entwickelt. Zum Glück war diese Entwicklung klug gesteuert, sodass es zu keinem Schock kam. Das hat auch damit zu tun, dass Slowenien nie Teil des Ostblocks war. Die Grenzen nach Westeuropa waren immer offen und sogar in jugoslawischer Zeit stand es um die Wirtschaft nicht schlecht. Wir hatten eine gute Startvoraussetzung als unabhängige Nation.
Was die Kunst betrifft: Die hat schon längst nichts mehr mit Nationen zu tun, sie ist in jeder Hinsicht globalisiert. Und ich glaube nicht, dass Kunst heute noch irgendeine Bedeutung hat. Die Menschen könnten auch ohne sie existieren. Tatsächlich tun das die meisten schon. Die Kunstwelt ist ein geschlossenes System, das über seinen eigenen Ideen masturbiert und keinen Einfluss auf das normale Leben und die Probleme der Menschen hat. Warum sollte das in Slowenien anders sein als anderswo?“
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